Eintrag XIV - Auf Wiedersehen öffentlicher Dienst
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Eine Entscheidung nach dem Spagat
Vor einigen Monaten hieß es hier in Bezug auf meine Tätigkeit im öffentlichen Dienst noch: „Derzeit versuche ich mich an einem Spagat.“ Inzwischen ist die Entscheidung gefallen. Der Spagat hat ein Ende gefunden und ich habe dem öffentlichen Dienst den Rücken gekehrt.
Mit Dankbarkeit für Eindrücke, Erfahrungen, Möglichkeiten und das Kennenlernen vieler toller Menschen. Aber auch mit einer klaren Meinung und etwas Wut. Wut darüber, wie teilweise mit öffentlichen Geldern und Mitarbeitenden, aber auch gegenüber dem Arbeitgebenden umgegangen wird.
Während meiner Zeit in einer Behörde habe ich Menschen mit sehr viel Engagement kennengelernt, die sich in ihrem Arbeitsbereich jeden Tag große Mühe gegeben haben. Immer ansprechbar, immer freundlich und ein Paradebeispiel dafür, dass es eine moderne sowie engagierte öffentliche Verwaltung gibt. Doch genau diese Menschen sind auch reihenweise an Bürokratie, mangelnder Kommunikation und Überlastung gescheitert.
Wer engagiert arbeitet und Ergebnisse liefert, bekommt oft noch mehr Aufgaben auf den Tisch. Ein Phänomen, das es auch in der Privatwirtschaft gibt. Wobei sich für mich zusätzlich der Eindruck aufgedrängt hat, dass Engagement und Eigeninitiative mitunter eher als unbequem wahrgenommen werden. Etwas, das nicht unbedingt erwünscht ist, denn es macht Arbeit, die man, wo immer möglich, am besten vermeidet.
Gleichzeitig hatte ich immer wieder den Eindruck, dass mit Ressourcen nicht überall so sorgfältig umgegangen wird, wie man es bei öffentlichen Geldern eigentlich erwarten dürfte.
Zwischen Engagement und Zuständigkeitslogik
Wo wir zum Punkt „Verhalten der Mitarbeitenden dem Arbeitgebenden gegenüber“ kommen. Mein subjektiv gewonnener Eindruck: Wenn man es in den öffentlichen Dienst geschafft hat, kommt das einem Hauptgewinn gleich. Es lässt sich zumindest auf der Arbeitsebene theoretisch alles wunderbar entspannt angehen. Was soll einem großartig passieren?
Damit man gekündigt wird, muss man sich schon wirklich etwas geleistet haben oder es sich mit einem der Vorgesetzten verscherzen. Ansonsten kann man sich das Arbeitstempo fast schon selbst aussuchen.
Ein bekanntes Spiel ist das Zuständigkeits-Ping-Pong: „Dafür bin ich nicht zuständig“ oder „Mir fehlen noch Unterlagen“. Keine fünf Minuten Arbeit und zack, der Ball ist wieder bei jemand anderem. Puh, erstmal einen Kaffee holen.
Zugegeben ist diese Darstellung bewusst etwas überspitzt. Aber so sehr es auch einige Klischees bedient, ist mir dieses Verhalten in ähnlicher, abgeschwächter Form tatsächlich immer wieder begegnet.
Niemandem soll etwas vorgeworfen werden. Das Arbeitstempo ist unterschiedlich, je nach Aufgabe und je nach Personenkreis. Was ich kritisieren möchte, ist die Dichte dieses Verhaltens. Meist liegt es gar nicht an den Mitarbeitenden selbst, sondern daran, dass das System einem nach einigen Jahren Zugehörigkeit kaum eine andere Wahl lässt, wenn man sich nicht dauerhaft daran aufreiben möchte.
Wenn Systeme schwer beweglich werden
Auf der Managementebene habe ich wahrgenommen, dass unglaublich viele Abstimmungsmeetings stattfinden, häufig verbunden mit einer Dienstreise. Auch hier ist man zum Teil seines eigenen Glückes Schmied und kann im begrenzten Rahmen den Anspruch an die eigene Arbeit selbst setzen. Häufig werden diese Reisen jedoch auch erwartet. Die Corona-Pandemie hat daran nur bedingt etwas geändert.
Das gesamte System wirkt in vielen Bereichen festgefahren. Gefühlt ist es unglaublich schwer, etwas zu bewegen. Alles ist komplex und jeder, der es dennoch schafft, etwas voranzubringen, verdient gebührende Anerkennung.
Für mich habe ich entschieden, dass ich diese Kraft künftig anders einsetzen möchte.
Ein notwendiger Teil unserer Gesellschaft
Abschließend möchte ich aber betonen, dass es einen starken öffentlichen Bereich braucht und man nur ermutigen kann, sich dort zu engagieren. Insbesondere auch ehrenamtlich. Ich bin der Meinung, dass wir dies für eine gesunde Gesellschaft brauchen.
Jeder sollte hier seine eigenen Erfahrungen machen und sich auch trauen, diese zu machen.
Dieser Beitrag soll keine pauschale Abrechnung mit dem öffentlichen Dienst sein. Kritik an Strukturen darf nicht mit Staatsfeindlichkeit verwechselt werden.
Vielleicht brauchte es genau diesen Schritt, um den eigenen Weg konsequent weiterzugehen.
Bis zum nächsten Eintrag
Tibor